Erfolgreiche Bewerbung durch gekonnte Anzeigenanalyse
Aus fast jeder Anzeige kann man erkennen:
– um welches Unternehmen es sich handelt
– welches Selbstverständnis das Unternehmen hat (Corporate Identity)
– auf welche Leute man treffen wird
– welchen Stellenwert die offene Position im Unternehmen hat
– welche grundsätzlichen Anforderungen an den Bewerber gestellt werden
Zwei gute Gründe, infrage kommende Anzeigen genauer unter die Lupe zu nehmen:
- ich möchte im Vorfeld wissen, mit wem ich es zu tun habe (erster Eindruck) --> "lohnt" sich
also eine Bewerbung (will ich da arbeiten?)
- ich möchte meine Bewerbung den Erwartungen der Firma anpassen (erhöhte Erfolgschance)
Um was für ein Unternehmen handelt es sich?
Produzierendes Gewerbe, Dienstleistungsbetrieb, spirituell orientiertes Unternehmen (z.B. kirchliche Organisation) - wenn ja, welche Richtung / Glaubensgemeinschaft...? Achten Sie in der Anzeige auf Informationen hierzu - viele Bewerber reagieren bei Stellenausschreibungen nur auf bestimmte Schlüsselwörter, z.B. die Stellenbeschreibung/-bezeichnung. Wichtiger ist oft: wer sucht hier eigentlich? Will ich in einem mittelständischen Unternehmen arbeiten oder in einem großen Konzern? Welche Vor,- und Nachteile kann das für mich haben? Wo habe ich u.U. die besseren Chancen - auch langfristig? Wo passe ich besser hin (kritisches Hinterfragen des eigenen Selbstverständnisses), wo finde ich eine höhere Akzeptanz, wo meine ich, komme ich besser klar? Spreche ich ein mittelständisches Unternehmen anders an als einen Konzern?
Aber sicher! Hier greifen völlig andere Zielsetzungen des Unternehmens! Ein mittelständisches Unternehmen beispielsweise legt mehr Wert auf Beständigkeit und breite Einsatzmöglichkeiten des Bewerbers. Spezialisten sind hier nur in Ausnahmefällen gefragt - je kleiner das Unternehmen, desto mehr muss man alle Abläufe kennen und stets ergänzend oder helfend einspringen können.
Ein großes Unternehmen kann hingegen für Berufsanfänger prima als “Sprungbrett” für eine weitere Karriere (im Konzern) oder auch in einem anderen Unternehmen genutzt werden, auch für Spezialisten (z.B. im Bereich EDV oder Forschung) ist hier der richtige Tummelplatz. Und Obacht: die meisten Innovationen werden in mittelständischen Unternehmen getätigt! Hier ist das Feld für Kreativität, Verbesserungsvorschläge, neue Ideen - in großen Unternehmen ist der Verwaltungsaufwand oft viel zu groß, da kommt der genialste Innovator u. U. nicht weit. Prüfen Sie, was Sie wirklich wollen und suchen Sie sich das Passende heraus! Bewerben Sie sich nicht auf jede Anzeige - kostet nur Geld und manch bittere Erfahrung.
Welche Corporate Identity (Selbstverständnis) hat das Unternehmen?
In vielen Anzeigen finden Sie wertvolle Hinweise auf die CI: fühlen sich alle Mitarbeiter als Teil einer Familie, nutzen unterschiedliche Unternehmensteile “Synergieeffekte” (arbeiten also in Punkten zusammen, die für beide Teile erfolgversprechend sind), wird Teamarbeit groß geschrieben u.v.m. Berücksichtigen Sie in ihrem Anschreiben diese Kenntnisse - erfassen Sie zwischen den Zeilen die wichtigsten Elemente der CI und spiegeln Sie dies in Ihrer Bewerbung geschickt wider - man wird sich angesprochen fühlen, Sie als zum Unternehmen “passend” empfinden.
Welchen Arbeitskollegen werden Sie begegnen?
Eher eine buntgemischte Mitarbeitergruppe, vielleicht vorwiegend aus dem regionalen Umfeld? Oder eher eine homogene Gruppe gleich interessierter Menschen mit ähnlichen (moralischen) Ansprüchen und Überzeugungen? - (oft in Sozialdiensten zu finden) Passen Sie dahin? Wollen Sie dazu gehören? Hegen Sie ähnliche oder die gleichen Überzeugungen und Werte? Falls Sie die Frage nicht auf Anhieb mit “JA” beantworten können, sollten Sie sich eine Bewerbung wirklich überlegen...
Falls Sie der Anzeige nur wenige Informationen hierzu entnehmen können, suchen Sie nach weiteren Infos - wenn der Unternehmer nicht das Gefühl hat, dass Sie zum Team passen, haben Sie in jedem Fall schlechte Karten. Aber bitte: verbiegen Sie sich nicht! Selbst wenn Sie alle im Vorstellungsgespräch täuschen können, sich selbst und Ihre Werte können Sie auf Dauer nicht verraten - spätestens innerhalb der Probezeit “fliegen Sie auf” und ggf. dann wieder raus...
Welchen Stellenwert hat die Position im Unternehmen?
Auch nicht gerade unwichtig! Gleiche Stellenbezeichnungen beschreiben z.T. ganz unterschiedliche Tätigkeiten und Stellenwerte im Unternehmen. Deshalb sind die umfassenden und detaillierten Tätigkeitsbeschreibungen in einem Arbeitszeugnis so wichtig. Beispiel: Gebietsleiter - in einigen Unternehmen ist das der Außendienstmitarbeiter vor Ort, in anderen wird der Chef eines regionalen Gebietes damit bezeichnet. Achten Sie soweit möglich auf das Anforderungsprofil, dass Ihnen hierzu mehr verrät:
Anforderungsprofil:
Prüfen Sie sich ehrlich: erfüllen Sie das fachliche und fachübergreifende Anforderungsprofil? Es sollte zu mindestens 70% mit den Wünschen der Firma übereinstimmen und in den absolut wichtigen Punkten zu 90%. In vielen Fällen können Sie Abstriche machen: Ich selbst habe meine erste Anstellung erhalten, obwohl ich Psychologin und keine Betriebswirtschaftlerin (wie damals gefordert) bin - ich hatte in meinem Anschreiben diesen Tatbestand angesprochen und humorvoll angedeutet, dass ich trotz der “falschen” Berufsausbildung über die erforderlichen Kenntnisse verfüge. Keinesfalls sollten Sie sich als Berufsanfänger auf Stellen bewerben, die eine mehrjährige Berufserfahrung voraussetzen (leider immer wieder bis zu 50% aller Bewerbungen) - Sie haben keine Chance!
Eignen Sie sich durch bezahlte und zur Not auch unbezahlte mehrmonatige Praktika Kenntnisse und Erfahrungen an, die Sie für Ihre weitere berufliche Entwicklung brauchen. Es gibt leider immer noch sehr wenige Unternehmen, die blutigen Anfängern eine reelle Chance bieten - holen Sie sich Ihre “Eintrittskarte” durch Ihr privates Engagement und Ihren Willen zum Erfolg. Ich weiß, mittlerweile wird dieser Weg von vielen Unternehmen gnadenlos ausgenutzt, um an gute, aber günstige Fachkräfte zu kommen und man marschiert von einem Praktikum ins nächste. Aber irgendwann möchte man nicht mehr auf sie verzichten. Und diese Chance können Sie dann ergreifen.
Wie kann ich nun meine Bewerbung diesen Analyse-Ergebnissen anpassen?
durch Form, Wortlaut, Umfang des Anschreibens und des Lebenslaufes:
Zum Beispiel könnte das Anschreiben etwas persönlicher und der Lebenslauf etwas genauer sein für ein mittelständisches Unternehmen mit familiärer CI - dieser Stil verbietet sich allerdings bei einem größeren Unternehmen: hier wäre Sachlichkeit eher das Maß der Dinge (verwaltungsmäßig gut abarbeitbar)
durch Erfüllung von Erwartungen:
Zum Beispiel könnten Sie (je nach Unternehmen) Ihre Bodenständigkeit, Ihren Fleiß, Ihre Disziplin, Ihre Teamorientierung oder Ihr Verantwortungsbewusstsein o.ä.m. geschickt heraus stellen - aber übertreiben Sie es nicht, sonst ist die Taktik schnell durchschaut!
WICHTIG:
die Anzeigenanalyse ergibt einen ersten Eindruck --> informieren Sie sich unbedingt weiter über das Unternehmen und überprüfen Sie Ihre Erkenntnisse aus der Analyse!
